Kein Scherz: Neonazis kommen am 1. April

Seit Januar 2017 blasen lokal und überregional aktive Neonazis zum „Aufmarsch“ durch die „Rote Hochburg Göttingen“. Pumpgun-Schütze und Horst-Wessel-Verehrer Mario Messerschmidt aus Adelebsen will dabei sein. NSU-Unterstützer und Justizwunder Thorsten Heise aus Fretterode (bei Heiligenstadt) kündigt sein Kommen an. Im Schlepptau: Neonazis und rechte Hooligans aus Nordrhein-Westfahlen, Thüringen und Sachsen.

NPD-Landratskandidat und Rädelsführer eines „bewaffneten Haufens“ Jens Wilke muss und will seinen Neonazifreunden etwas bieten – sonst ist die Luft in der umtriebigen Truppe endgültig raus. Der Frust ist groß. Lokale Bündnisse gegen Rechts in Duderstadt, Lindau, Hardegesen, Dransfeld, Adelebsen und Göttingen haben der Erzählung „es handele sich hier lediglich um besorgte Bürger“ einen Strich durch die Rechnung gemacht. Blockaden, Platzbesetzungen, unfreiwillige Spendenaktionen, fieser Gestank und ohrenbetäubender Lärm nahmen den Zusammenrottungen immer wieder den Raum. Autonome Antifas wrackten den Fuhrpark der mobilen Neonazitruppe nach und nach ab. Auch untereinander läuft es nicht rund. Mit der beschworenen „Freundschaft“ scheint es unter den „Kameraden“ weit her zu sein. Umso wichtiger ist es, jetzt nicht locker zu lassen. Bereits seit Ende letzten Jahres gehen die Neonazis zu offenen Angriffen im Anschluss an ihre angemeldeten Kundgebungen über. Ein harter Kern von gewalttätigen Faschisten sucht beständig den Konflikt, bedroht KommunalpolitikerInnen vor den Wohnhäusern ihrer Familien, verprügelt Studierende und Professoren der Universität, greift unter den Augen der Polizei Linke an, attackiert die Unterkünfte von schutzsuchenden Menschen. Ein gelungener Aufmarsch um den Bahnhof am 1. April 2017 in Göttingen würde ihnen erneut Auftrieb verleihen und die Situation für viele Menschen in Südniedersachsen gefährlicher werden lassen.

Nun werden manche denken: Ach, die Aktionen gegen die Neonazis im zurückliegenden Jahr waren mir zu anstrengend: Immer rumstehen für die paar Hanseln, schlechte Wahlkampfreden der etablierten Parteien anhören und dann auch noch Stress mit der Polizei riskieren. Das gebe ich mir nicht, das sollen andere erledigen. Tatsächlich gehört die Zermürbungstaktik zum aktuellen Handwerkszeug der Rechten aller Couleur, um antifaschistischen Widerstand aufzuweichen. Und das Gebaren von lokalen Verwaltungen, der Polizei und der Geheimdienste ist nicht ein Nebeneffekt, sondern das eigentlich Bedrohliche: Wer hat ein Interesse daran, dass wie zuletzt eine Handvoll Neonazis von 400 Polizisten geschützt werden? Warum werden die Faschisten seit 1 1/2 Jahren mit Samthandschuhen angefasst? Warum werden ihnen Rosen auf den Weg gestreut, während die verbliebenen aktiven Teile der Zivilgesellschaft mit Faustschlägen, Pfefferspray, und Ermittlungsverfahren traktiert werden? Der rechte Vormarsch geht offensichtlich nicht allein von den organisierten Neonazis sondern auch von Teilen des Staatsapparates aus. Das gilt international aber auch für das gemütliche sozialdemokratisch-grüne Göttingen. Geht es nach den Vollstreckern der Macht, werden die Neonazis am 1. April gepampert und in Watte gepackt, sicher um den Bahnhof geleitet.

Und Du? Jetzt kommt es auf Dich an. Du bist Antifa oder niemand. Kein Scherz. Willkommen im Jahr 2017.